Nord-Süd-Verbindung


23.06.2009
Auftakt für Neubaustrecke der 2. Nord-Süd-Trasse der Straßenbahn
Sportlicher Start für 3,7 Kilometer lange neue Straßenbahntrasse nach Reform
Die 2. Nord-Süd-Verbindung der Straßenbahn nimmt weiter Gestalt an: Mit einer 3,7 Kilometer langen neuen Schienentrasse soll bis Jahr 2012/13 der Stadtteil Reform für die Straßenbahn erschlossen werden. 22,4 Millionen Euro kostet das Projekt. Am Montag legten MVB und Landesregierung einen „sportlichen Start“ dafür vor.
Die geplante neue Straßenbahntrasse in Reform wird sich ab Endstelle Quittenweg entlang der Leipziger Chaussee erstrecken. Hinter der Einmündung Kometenweg wird sie nach Westen abschwenken, den Planetenweg queren und schließlich in die Otto-Baer-Straße einbiegen. Dort ist die Wendeschleife vorgesehen. 22,4 Millionen Euro wird der 3,7 Kilometer lange neue Schienenweg kosten. Er wird sowohl den Stadtteil als auch den Bördepark als eine der größten Einkaufsstätten im Süden Magdeburgs anbinden. Die neue Strecke ist der südliche Teilabschnitt der 2. Nord-Süd-Verbindung der Straßenbahn in der Landeshauptstadt.
Der gestrige symbolische 1. Spatenstich und die Präsentation der Offiziellen an der Baggerschaufel fand aus doppeltem Anlass statt. Er gilt zunächst dem neuen Sozial- und Umkleidegebäude des Sportplatzes an der Otto-Baer-Straße. Es wird etwa 200 Meter vom bisherigen Flachbau entfernt direkt auf dem Sportplatzgelände errichtet. 300 000 Euro kostet das moderne Domizil der Vereinssportler.
Ihr Glückfall: Es steht der Straßenbahnverlängerung in den Bördepark im Wege. „Wir reißen das Gebäude ab, errichten statt dessen einen niveauvollen Ersatzneubau“, sagte MVB-Chef Klaus Regener. Baubeigeordneter Dieter Scheidemann ergänzte: „Die Bürger von Reform profitieren so gleich doppelt“, sagte er.
Laut Landesbauminister Karl-Heinz Daehre ist der Startschuss für den Sportbau zugleich Auftakt für die neue Straßenbahntrasse in den Bördepark. Etwa bis 2012/13 werde diese bedeutende Streckennetzerweiterung fertig sein. Rund 90 Prozent der förderfähigen Kosten werde das Land beisteuern – wenn der Bund zustimmt, sagte Daehre. Daran ließ er im Nachgang allerdings keinen Zweifel. 135 Millionen Euro verschlingt laut MVB-Aufsichtsratschef Werner Kaleschky der komplette Trassenausbau zwischen Reform und Neustädter Feld im Norden. Dazu gehören sowohl Neubau als auch die komplexe Streckensanierung. Letzteres geschieht für rund 5 Millionen Euro gegenwärtig auf der Leipziger Straße.
Die vollständige 2. Nord-Süd-Verbindung der Straßenbahn soll 2019/20 fertig sein. Die 15 Kilometer lange neue Trasse wird die Erschließung der Stadtteile Reform, Neustädter Feld, Kannenstieg und Buckau mit öffentlichen Verkehrsmitteln erheblich verbessern. Insgesamt 44 000 Einwohner haben den Nutzen. Für etwa 3,5 Millionen MVB-Kunden pro Jahr reduziere sich die Umsteigehäufigkeit, erklärten Regener und Kaleschky. Die MVB werden über 40 000 Passagiere jährlich mehr haben. Personalkosten von 1,3 Millionen Euro pro Jahr werden eingespart. Das ist noch Zukunftsmusik. Ab 2009 steht der Abschnitt Reform im Brennpunkt. Das Planfeststellungsverfahren für die 3,7 Kilometer lange Trasse ist auf Ende des III. Quartals datiert. Danach soll Tiefbaustart sein, hieß es gestern. Geplant sind 8 Haltestellenpaare. Die befinden sich u. a. am Lindenplan, der Weinbrennerallee, Am Hopfengarten, im Pallasweg. Von Karl-Heinz Kaiser
(Quelle: Volksstimme vom 23.06.2009)

07.03.2009
Bürgerinitiative gegen Straßenbahn in Birkenweiler nach Treffen mit MVB: Anwohner sollen selbst Varianten vorlegen
Die Bürgerinitiative gegen den Bau einer Straßenbahntrasse durch Birkenweiler bleibt trotz der Beschwichtigungsversuche der Stadtverwaltung aktiv. Als Nächstes wollen die Anwohner selbst alternative Routen für die geplante Nord-Süd-Trasse der Straßenbahn skizzieren und bei den Verkehrsbetrieben einreichen.
Die Gegner der Straßenbahntrasse in Birkenweiler wollen sich nicht vertrösten lassen, sondern sich weiter gegen den Bau einer Straßenbahntrasse durch den Burstaller und den Milchweg engagieren. Das erklärten Vertreter der in Birkenweiler ins Leben gerufenen Bürgerinitiative (BI) gegen den Trassenbau in der Siedlung in dieser Woche im Rahmen der AG Gemeinwesenarbeit (GWA).
Hannelore Märtens von der BI berichtete von einem Besuch der Anwohner bei den Magdeburger Verkehrsbetrieben: „Uns wurde dort gesagt, wir sollen doch Alternativen für die Trassenführung Richtung Norden selbst ausarbeiten und einreichen.“ Das wollten die BI-Mitglieder nun auch tun. Denn: „Wieder wurde die Trassenführung durch unser Gebiet als bisher in den Vorüberlegungen favorisierte Variante auf Plänen gezeigt“, ärgert sich Hannelore Märtens.
Dagegen kämpfen Bewohner des Burgstaller und Milchwegs sowie der Birkenweiler-Gartenwege bereits seit Monaten an. Die Eigenheimbesitzer sorgen sich um ihre Immobilien. Der Straßenzug sei zu eng für eine Bahntrasse. Die Häuser, zumeist aus den 1930er Jahren, würden zu nah an den Gleisen stehen. Zudem befürchten Kleingärtner in dem Gebiet, Land für einen möglichen Trassenbau abgeben zu müssen.
Hannelore Märtens: „Von Seiten der MVB wurde uns bei dem Treffen nun vor allem dargelegt, dass Erschütterungen bei modernen Straßenbahnen und Gleisanlagen kein Problem seien.“ Die BI bleibe jedoch bei ihrer Forderung nach Alternativen. Die sehen sie insbesondere in einer Anbindung des Flora-Parks, durch die zugleich das Einkaufszentrum an das Straßenbahnnetz angeschlossen werden könnte. Hier suche die BI den Kontakt zum Center und Geschäftsleuten.
Über die Nord-Süd-Trasse wurde bereits im Januar auf einer GWA-Sitzung im Bürgerhaus Kannenstieg diskutiert. Auch hier wendeten sich Anwohner gegen eine eventuelle Verlängerung der Straßenbahnlinie in ihr Wohngebiet. Der Baubeigeordnete Dieter Scheidemann und Verkehrsplanerin Roswitha Baumgart hatte hier erklärt: „Es gibt noch keine festgelegte Trasse.“
Die Planer gingen erst jetzt daran, die Abschnitt zwischen Altstadt, Stadtfeld und Neustädter Feld einer tieferen Betrachtung zu unterziehen. Erst dann werde der Abschnitte vom Olvenstedter Graseweg bis zur Ebendorfer Chaussee untersucht.
Alternative Trassenführungen sowie die mögliche Anbindung des Flora-Parks stünden dann zur Debatte. Erste Überlegungen könnten für den letztgenannten Trassenteil jedoch „frühestens im Frühjahr 2010“ vorgestellt werden. Die Ängste und Anregungen der Anwohner werde die Stadt ernst nehmen. Die Bürgerinitiative in Birkenweiler will sich davon jedoch nicht beschwichtigen lassen und weiter gegen den Bau der Trasse in ihrer Siedlung mobil machen. Von Robert Richter
(Quelle: Volksstimme vom 07.03.2009)

30.01.2009
„Wenn hier die Bahn langfährt, fallen bei uns die Tassen aus dem Schrank“
Protest gegen Straßenbahntrasse in Birkenweiler und Kannenstieg / Anwohnerin Hannelore Märtens:
Die Nord-Süd-Verbindung erhitzt die Gemüter in Birkenweiler, Milchwegsiedlung und Kannenstieg. Und brachte der Gemeinwesen-Arbeitsgruppe Kannenstieg einen neuen Besucherrekord: Die meisten der 45 Stadtteilbewohner wollten Magdeburgs Baubeigeordneten Dieter Scheidemann und Roswitha Baumgart vom Stadtplanungsamt am Dienstagabend im Bürgerhaus deutlich machen: „Wir wollen keine Straßenbahntrasse in den Kannenstieg!“
Für die meisten war es die Frage des Abends: Wann soll der Nordzipfel der neuen Straßenbahntrasse gebaut werden? Genau darauf gab es keine Antwort und kann es derzeit nach Aussage des Baubeigeordneten auch keine Antwort geben: „Das ist eine ganz perspektivische Veranstaltung.“ Soll heißen: Alles Zukunftsmusik.
Die Wogen schlagen jedoch schon jetzt hoch. Die Gemeinwesen-AG hatte deshalb das Thema auf die Tagesordnung gesetzt. Die Resonanz zeigt, dass es die Menschen im Norden bewegt. Doch derzeit werde erst am anderen Ende der Stadt feberhaft für den Südabschnitt Richtung Reform/Bördegarten geplant. Verkehrsplanerin Roswitha Baumgart: „Baubeginn der Trasse nach Reform ist frühestens 2010.“
Und im Norden hofft so mancher, dass es bei einer Süd-Trasse bleibt. Eine neue Strecke in den Norden sei durch die schrumpfende Bevölkerung unwirtschaftlich, werde die MVB-Kunden durch die Umlage der Investitionskosten auf die Fahrpreise teuer zu stehen kommen; die Stadt werde womöglich Fahrgastprognosen und andere Zahlen „schönrechnen“, um Fördermittel von Bund und Land zu bekommen, sagten Besucher der bisher größten und zugleich hitzigsten GWA-Sitzung, die der Kannenstieg je erlebt hat. Grundstücksbesitzer fürchten, Land für den Trassenbau abgeben zu müssen.
Das Vorhaben werde sowohl betriebswirtschaftlich für die MVB, als auch volkswirtschaftlich einer strengen Prüfung unterzogen, entgegnete Dieter Scheidemann. „Wenn wir nicht nachweisen können, dass die Straßenbahntrasse als Ersatz für den Bus wirklich sinnvoll ist, haben wir beim Bund gar keine Chance, an notwendige Fördermittel aus dem Bundesverkehrswegeplan zu kommen“, sagte Roswitha Baumgart. Sie zeigte sich überzeugt, dass anders als von den Kritikern erwartet, eine Betriebskostenersparnis für die Verkehrsbetriebe durch eine Nord-Süd-Straßenbahntrasse erzielt werden kann.
Doch nicht nur für Hannelore Märtens aus der Siedlung Birkenweiler steht fest: „Wir sind zufrieden mit dem Bus, den wollen wir behalten!“ Die Anwohner des Burgstaller Wegs, Milchwegs und der Gartenwege von Birkenweiler sorgen sich um ihre Immobilien. Denn in den bisherigen Vorüberlegungen der Verkehrsplaner führte die Bahntrasse stets an ihren Häusern vorbei in die Johannes-R.-Becher-Straße.
Der Straßenzug sei zu eng dafür, die Häuser, zumeist aus den 1930er Jahren, würden zu nah an der Bahntrasse stehen. Hannelore Märtens: „Dann fallen bei uns die Tassen aus dem Schrank, wenn die Straßenbahn hier langfährt.“ Und: „Wir haben dann das Problem der Vermarktung unserer Grundstücke.“ Sprich: Die Siedler fürchten sinkende Grundstückspreise.
Auch hier ist Roswitha Baumgart vom Gegenteil überzeugt: „Die Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr spielt eine wesentliche Rolle als Verkaufsargument bei der Vermarktung.“
Ähnliche Ängste und Diskussionen kenne sie aber bereits aus Reform: „Inzwischen fragen uns die Anwohner dort aber: ,Wann kommt denn nun endlich die Straßenbahn?‘“ So werde es eines Tages auch im Norden sein. Ob hier die Bahn dann tatsächlich die bisher angedachte Route nehmen wird, ist nach Angaben des Baubeigeordneten Dieter Scheidemann offen: „Es gibt noch keine festgelegte Trasse.“
Die Planer gingen erst jetzt daran, den Abschnitt zwischen Am Krökentor und Olvenstedter Graseweg einer tieferen Betrachtung zu unterziehen, sagte Roswitha Baumgart. Erst dann werde der Abschnitt vom Olvenstedter Graseweg bis zur Ebendorfer Chaussee untersucht. Alternative Trassenführungen sowie die mögliche Anbindung des Flora-Parks stehen dann zur Disposition. Roswitha Baumgart: „Erste Überlegungen können wir Ihnen frühestens im Frühjahr 2010 vorstellen.“
Die Ängste und Anregungen der Anwohner werde die Stadt ernst nehmen, versprach Dieter Scheidemann. Und: „Wir werden keine Drucksache in den Stadtrat geben, bevor wir nicht mit Ihnen gesprochen haben.“
Roswitha Baumgart prägte diesen Satz mit doppelter Bedeutung: „Wir wollen die Bürger mit der Straßenbahn mitnehmen und nicht an ihnen vorbeifahren.“ Robert Richter
(Quelle: Volksstimme vom 30.01.2009)



Eine Straßenbahn fährt durch den Burgstaller Weg – eine Fotomontage. Die Anwohner hoffen, dass dieses Bild nicht Wirklichkeit wird. Foto/Montage: R. Richter

12.12.2008
Mit neuer Trasse wollen MVB pro Tag 4850 neue Fahrgäste gewinnen
Die 2. Nord-Süd-Verbindung der Straßenbahn soll der Stadt enorme Vorteile bringen
Magdeburg (ka) Seit einigen Jahren bauen die Magdeburger Verkehrsbetriebe abschnittweise an der 2. Nord-Süd-Trasse der Straßenbahn. Derzeit ist ein Abschnitt in der Leipziger Straße an der Reihe. Die neue Verkehrsanlage zwischen Reform und Kannenstieg quer durch die Stadt wird ca. 15 Kilometer lang werden und kostet nach neuesten Berechnungen rund 135 Millionen Euro. Sie verläuft etwa parallel zu den vorhandenen Trassen, die streckenweise mit einbezogen werden. Auf Grundlage eines Bau- und Finanzierungsvertrages mit der Stadt, dem Land und dem Bund wollen die MVB das Projekt bis 2019 fertigstellen.
Es bringe für die Entwicklung als Oberzentrum sowie für die Bürger der Stadt große Vorteile, erklärten Baudezernent Dieter Scheidemann und MVBChef Klaus Regener gestern in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Anlass dafür sind die Vorbereitungen der Planfeststellungsverfahren, die für die neue Straßenbahnverbindung erforderlich sind, sagt Scheidemann gegenüber der Volksstimme.
Insgesamt seien sich Stadt und MVB einig, dass die 2. Nord-Süd-Verbindung die Erschließung der Stadtteile Reform, Neustädter Feld, Kannenstieg und Buckau mit öffentlichen Verkehrsmitteln erheblich verbessere. Insgesamt 44 000 Einwohner haben den Nutzen. Grund: Kürzere Reisezeiten und mehr Direktverbindungen, vor allem in und aus Richtung Innenstadt sind zu erwarten. Die MVB haben hochgerechnet. Für etwa 3,5 Millionen MVB-Kunden pro Jahr reduziere sich die Umsteigehäufigkeit, sei das Stadtzentrum durch Direktverbindungen erreichbar, hieß es in der gemeinsamen Mitteilung. Als Beispiel wird eine Kernverbindung herangezogen: „Heute benötigt man vom Hauptbahnhof bis zum Hermann-Bruse-Platz 31 Minuten und muss einmal umsteigen - zukünftig sind hier nur noch 13 Minuten Fahrzeit ohne Umsteigen zu verzeichnen“, erklärten Klaus Regener und Dieter Scheidemann.
Weiterer Vorteil: In den zukünftig wesentlich besser erschlossenen Gebieten können statt Bussen Straßenbahnen eingesetzt werden. Sie bringen höheren Fahrkomfort, bessere Platzangebote einschließlich für Kinderwagen- und Rollstuhlfahrer. Der Zugang zum Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) wird z. B. durch insgesamt 37 neue und behindertengerechte Haltestellen verbessert. 27 mit Informationselektronik ausgestattete Haltestellen ersetzen bisherige Bushaltestellen. 10 Haltestellen werden an Orten errichtet, an denen sich bisher keine Zugangsstellen befanden.
Mit der zweiten Nord-Süd-Verbindung der Straßenbahn erwarten die MVB täglich 4850 Fahrgäste zusätzlich.
Die Zahlen, die Klaus Regener schon vor Monaten öffentlich bekannt gegeben hatte, ergänzt er jetzt in der Mitteilung mit neuen Fakten: Dadurch reduziert sich die CO2-Emission um 1028 Tonnen pro Jahr. Dieser Wert wird maßgeblich auch durch die Reduzierung von rund 600 000 Pkw-Fahrten pro Jahr erreicht, die sich aus der zunehmenden Inanspruchnahme der Bahn ergibt.
Laut Regener und Scheidemann werden für die regionale Wirtschaft Leistungen von 134,6 Millionen Euro vergeben.
Die Vorteile für die Stadtentwicklung liegen auf der Hand. Die Großwohnsiedlungen, die mit der 2. Nord-Süd-Verbindung der Straßenbahn deutlich besser erschlossen werden sollen, sind Kannenstieg, Neustädter Feld und Neu Reform. Der Bau der 2. Nord-Süd-Verbindung kann zur demografischen Stabilisierung der genannten Stadtteile beitragen.
Im Kannenstieg hatte es in jüngster Zeit auch gegenteilige Meinungen zum Trassenverlauf gegeben. In Reform wurden vor Jahren Bürgerbefragungen gestartet – mit positivem Ergebnis. In jüngster Zeit waren Baumfällungen an der Badeanstalt Süd in der Diskussion.
Laut Dieter Scheidemann will das Dezernat gemeinsam mit der MVB GmbH weiterhin über die 2. Nord-Süd- Verbindung öffentlich informieren. Ein wichtiger Bestandteil hierbei sei die Teilnahme an den entsprechenden GWA- Sitzungen und Bürgerveranstaltungen, um näher über die betreffenden Bauabschnitte zu informieren.
(Quelle: Volksstimme vom 12.12.2008)

19.11.2008
Widerstand gegen möglichen Gleisbau - Bürgerinitiative gegen Bahn in Birkenweiler
Bewohner der Siedlung Birkenweiler sowie des Burgstaller und Milchweges wollen in einer Bürgerinitiative gegen eine mögliche Straßenbahntrasse durch ihr Gebiet eintreten. Zwar betonten die Verkehrsbetriebe bereits in der Volksstimme, die entsprechenden Planungen würden erst in einigen Jahren überhaupt beginnen, doch die Anwohner wollen nach eigener Aussage keine Zeit mehr verstreichen lassen.
Die kleine Siedlungsgaststätte „Zur Birke“ platzte angesichts des großen Andrangs fast aus allen Nähten, als die Siedlergemeinschaft Anfang des Monats zur Diskussionsrunde über die möglicherweise in der Zukunft durch Birkenweiler rollenden Straßenbahnen geladen hatte. Damit das nicht eintritt, machen die Anwohner mobil (Volksstimme berichtete).
Unter den mehr als 40 Besuchern in der „Birke“ habe darüber Einigkeit geherrscht. „Es kamen auch Anwohner der neuen Eigenheime aus dem Milchweg, aus der Lerchenwuhne und aus dem Kannenstieg. Es war ein interessanter Abend und die große Resonanz hat uns gut getan. Wir haben gesehen, dass wir nicht alleine dastehen“, sagte Hannelore Märtens von der Siedlergemeinschaft Birkenweiler am Montagabend in der AG Gemeinwesenarbeit (GWA) Neustädter Feld während einer Sitzung im Nachbarschaftszentrum. Und: „Am 1. Dezember wollen wir uns als Bürgerinitiative wieder in der ,Birke‘ treffen.“ Aus Sicht der Anwohner drängt die Zeit.
Die Magdeburger Verkehrsbetriebe hatten in der Volksstimme allerdings erklärt, dass für die geplante 2. Nord-Süd-Verbindung der Straßenbahn zunächst der Bau der Trasse bis zum Hermann-Bruse-Platz vorgesehen sei. Betriebsleiter Pitt Friedrichs in seiner Stellungnahme: „Der Bau der Strecke zum Hermann-Bruse-Platz wird bei Vorliegen der Genehmigungen, des Planfeststellungsbeschlusses sowie der Finanzierung ab 2011 beginnen und soll 2016 fertiggestellt werden.“
Für die Weiterführung der Strecke in Richtung Birkenweiler und Kannenstieg soll der Planungsprozess nach Aussage des Betriebsleiters erst im Jahr 2013 beginnen. Dabei sollen „berechtigte Bürgerinteressen“ berücksichtigt werden, so Friedrichs, der versicherte: „Die Vorbereitung wird von uns transparent gestaltet.“
Künftig soll die 2. Nord-Süd-Trasse bis zum Kannenstieg verlaufen. Anwohner des Burgstaller Weges und der Siedlung Birkenweiler hatten protestiert, weil laut bisherigen Vorüberlegungen die Bahnstrecke durch den Burgstaller Weg, vorbei an der Siedlung Birkenweiler, über den Milchweg und weiter zum Kannenstieg führen könnte.
Die Ablehnung begründen die Siedler u.a. mit der Gebäudesubstanz aus den 1930er Jahren, die durch Erschütterungen Schaden nehmen könnte. Sie fordern eine alternative Route, schlugen z. B. eine Trassenführung über Flora-Park und Ebendorfer Chaussee vor. Unterdessen möchte auch die GWA Kannenstieg aufgrund von Anwohneranfragen hier einen Diskussionsabend zur Bahntrasse veranstalten, laut Sprecherin Annette Münzel voraussichtlich im Januar. Die Volksstimme berichtete bereits über den Protest in Birkenweiler. Von Robert Richter
(Quelle: Volksstimme vom 19.11.2008)

06.11.2008
„Bimmel“ gehört dazu

Volksstimme-Leser Hans-Christoph Priegnitz hat sich über den Volksstimme-Bericht aus der Siedlung Birkenweiler am Dienstag geärgert. Die Anwohner dort wollen verhindern, dass die geplante Straßenbahntrasse zum Kannenstieg durch ihr Wohngebiet verläuft. „Wenn sich alle Leute so über die Straßenbahn beschweren würden, die an Gleisstrecken wohnen, könnten auch die Leute aus dem Burgstaller Weg und Birkenweiler bald nicht mehr Straßenbahn fahren, das muss man mal laut und deutlich sagen!“, so der Leser am Redaktionstelefon, der selbst die Straßenbahngleise auf der Olvenstedter Straße vor der Haustür hat. Hans-Christoph Priegnitz geht sogar so weit: „Eigentlich müsste man allen, die sich dort beschweren, sofort die Erlaubnis entziehen, mit der Straßenbahn zu fahren.“ Er meint: „Die ,Bimmel‘ gehört einfach zu einer Stadt dazu, Ruhe gibt es auf dem Dorf.“ Von Robert Richter
(Quelle: Volksstimme vom 06.11.2008)

04.11.2008
„Bürgerinteressen werden berücksichtigt“
MVB-Betriebsleiter Friedrichs zur Bauplanung für Straßenbahntrasse im Neustädter Feld:
Für die geplante 2. Nord-Süd-Verbindung der Straßenbahn ist zunächst der Bau der Trasse bis zum Hermann-Bruse-Platz vorgesehen. Das stellte Pitt Friedrichs, Betriebsleiter der Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) klar und reagierte damit auf einen Volksstimme-Bericht vom vergangenen Mittwoch.
„Der Bau der Strecke zum Hermann-Bruse-Platz wird bei Vorliegen der Genehmigungen, des Planfeststellungsbeschlusses sowie der Finanzierung ab 2011 beginnen und soll 2016 fertiggestellt werden“, so Friedrichs. Für die Weiterführung der Strecke in Richtung Birkenweiler und Kannenstieg soll der Planungsprozess nach Aussage des Betriebsleiters erst im Jahr 2013 beginnen.
Künftig soll die 2. Nord-Süd-Trasse bis zum Kannenstieg verlaufen. Anwohner des Burgstaller Weges und der Siedlung Birkenweiler hatten protestiert, weil in den bisherigen Überlegungen der Trassenplaner die Bahnstrecke durch den Burgstaller Weg und die Siedlung Birkenweiler (Milchweg) führen sollte. Anlieger wollen dies verhindern.
MVB-Betriebsleiter Friedrichs erläuterte den Werdegang genauer: „Zum Verlauf der 2. Nord-Süd-Verbindung der Straßenbahn gibt es bisher einen Rahmenantrag beim Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, der Basis für die Anmeldung des Projektes sowie für die Bewertung der volks- und betriebswirtschaftlichen Ergebnisse dieser Streckenverlängerung ist. All diese umfangreichen Untersuchungen, unter Berücksichtigung der Einwohnerentwicklung in diesem Gebiet und der Verkehrsnachfrage, verliefen positiv. Der Planungsprozess soll jetzt für den Abschnitt Albert-Vater-Straße/ Hermann-Bruse-Platz mit einer Vorplanung in Gang gesetzt werden.“
Dabei sollen auch „berechtigte Bürgerinteressen“ berücksichtigt werden. „Die Vorbereitung wird von uns transparent gestaltet“, erklärte Friedrichs. „Auch sind im Planungsprozess eine Variantenuntersuchung sowie ein Planfeststellungsverfahren integriert, in dem die Rechte der Betroffenen umfassend beachtet werden.“
In Birkenweiler wird das Thema dennoch bereits heftig debattiert.
Die Siedlergemeinschaft lädt deshalb am morgigen Mittwoch Anwohner des Burgstaller Weges und aus Birkenweiler um 18 Uhr zu einer Diskussionsrunde in die Siedlungsgaststätte „Zur Birke“ (4. Gartenweg) ein. Von Robert Richter
(Quelle: Volksstimme vom 04.11.2008)

29.10.2008
Geplante Nord-Süd-Trasse der Straßenbahn - Anwohner wollen keine „Bimmel“ in Birkenweiler
Die geplante Straßenbahntrasse durchs Neustädter Feld sorgt am Burgstaller Weg und in der Siedlung Birkenweiler für Aufregung. Die Anwohner machen mobil. Sie fordern, dass die geplante Streckenführung geändert wird. Nachdem bereits in der AG Gemeinwesenarbeit die Wellen hoch schlugen, wollen Betroffene am 5. November einen Diskussionsabend zur Straßenbahntrasse veranstalten, um ihre Einwände weiter publik zu machen.
Nach einem Volksstimme-Bericht über die Vorplanungen für die Straßenbahntrasse, die künftig von Reform im Süden bis zum Kannenstieg im Norden verlaufen soll, machten Anwohner des Burgstaller Wegs und der Siedlung Birkenweiler den Streckenverlauf jüngst in der AG Gemeinwesenarbeit zum Thema.
MVB-Vertreter bestätigten während der Veranstaltung den geplanten Streckenverlauf der Nord-Süd-Trasse durch die Kritzmannstraße, den Olvenstedter Graseweg, Burgstaller Weg und Milchweg weiter zum Kannenstieg.
Genau damit haben die Anwohner der Siedlung ein Problem, wie Stadtteilmanagerin Manuela Hasenfuß zusammenfasst: „Sie sehen den Siedlungscharakter von Birkenweiler, entstanden in den 1930er Jahren, in Gefahr, halten die Bausubstanz vieler Häuser nicht für den Trassenverlauf der Straßenbahn geeignet.“
In Sorge seien auch die Kleingärtner der Sparte „Am Ring“, gelegen zwischen Burgstaller Weg und Milchweg. Sie fragen sich, ob Investitionen in ihre Gartenanlagen nun überhaupt noch Sinn machen.
Laut MVB sind die Vorplanungen noch nicht abgeschlossen, sondern laufen bis voraussichtlich April 2009. Die Planungsergebnisse sollen dann auch im Stadtteil vorgestellt werden. Vorgemacht hatten es die MVB bereits in Reform mit einem Infobus zum diesjährigen Stadtteilfest.
Abgeschlossen seien die Planungen bisher keineswegs, die Meinung der Anwohner selbstverständlich gefragt, die Planer willig, Anregungen zu berücksichtigen, betonten die MVB-Vertreter in der AG Gemeinwesenarbeit.
Finanzielle Mittel beim Bund und Land sollen im April 2009 beantragt werden (zehn Prozent Eigenfinanzierung durch MVB). Der Baubeginn ist für 2011 avisiert, Voraussichtlich 2015/ 2016 könnten die Bahnen von Reform zum Kannenstieg rollen.
Doch nicht durch den Burgstaller Weg und den Milchweg, wenn es nach den Anwohnern dort geht. Sie machten bereits einen Alternativvorschlag: Verlauf durch die breitere Lerchenwuhne oder über den Olvenstedter Graseweg und am Einkaufszentrum Flora-Park entlang.

Dafür spricht aus Sicht der „Neustädterfelder“ die Anbindung ihres Wohngebiets an das Einkaufscenter, wo es nach der Schließung der Filiale im „Feld“ auch die nächstgelegene Poststelle gibt. Aber auch die Bewohner der Neuen Neustadt und des Kannenstiegs könnten so von der Bahnanbindung an den Flora-Park profitieren.
Unterdessen verschickten Christina Grunert, Vorstands-Vorsitzende des Siedlergemeinschaft Birkenweiler, und Mitglied Hannelore Märtens Einladungen für einen Diskussionsabend zur Straßenbahntrasse. „Wir laden zur Diskussion mit Anwohnern des Burgstaller Weges, des 6. Gartenweges in Birkenweiler und weiteren Interessierten zu diesem brisanten Thema ein“, so Hannelore Märtens gegenüber der Volksstimme. Termin: 5. November, 18 Uhr. Ort ist die Siedlungsgaststätte „Zur Birke“. Von Robert Richter (Quelle: Volksstimme vom 29.10.2008)



Mit dem vorgeschlagenen Streckenverlauf der künftigen Straßenbahntrasse durchs Neustädter Feld über den Burgstaller Weg stoßen die Verkehrsbetriebe bei Anwohnern auf Widerstand. Foto: R. Richter

Anmerkung des Webmasters Holger Schleef
Zum Bau der Trasse ließ ich mir 2003 eine Planungsskizze im A3-Format zuschicken, welche ich hier auszugsweise veröffentlichen möchte. Der Stadtplan im Hintergrund des Bildes ist, so wie auch auf dem Originaldokument, nur schwach zu sehen. Sicherlich hat sich bis heute einiges plantechnisch geändert, doch der Bau dieser zweiten Trasse wurde nie aus dem Auge verloren. Liebe Stadtteilmanagerin Manuela Haßenfuß, du hast an deren Realisierung nicht mehr geglaubt, ich ja. Wir hätten wetten sollen. ;-) (siehe letzte Meldung am Ende der Seite aus dem Jahre 2003)


 

01.10.2008
Zweite Nord-Süd-Trasse bringt den MVB 1,3 Millionen Euro Mehreinnahmen
MVB richten für neue Straßenbahnverbindung Blick auch auf heimische Firmen / Wirtschaftlichkeit nachgewiesen
Als Bestandteil der 2. Nord-Süd-Verbindung der Straßenbahn durch Magdeburg ist derzeit ein Abschnitt Leiziger Straße zwischen Fermersleber Weg und Salbker Straße im Bau. Damit rückt auch wieder die Frage der Wirtschaftlichkeit in den Vordergrund. Neueste Betrachtungen von Januar des Jahres haben Bewertungsergebnisse aus der Vergangenheit erneut bestätigt.
Dass die in der Endphase rund 15 Kilometer lange 2. Nord-Süd-Verbindung der Straßenbahn wirtschaftlich etwas bringt, steht für MVB-Geschäftsführer Klaus Regener außer Frage. Das Unternehmen habe davon erheblichen Vorteil, bekräftigte er dieser Tage seine bereits im November 2007 getroffenen Aussagen. Sie beruhten auf der in der Vergangenheit vorgelegten sogenannten standardisierten Bewertung. Inzwischen hatte es eine weitere Untersuchung dazu gegeben. Auch die bestätigte das damalige Resultat einschließlich der einer Folgerechnung zur gesamten neuen Straßenbahnverbindung. Ergebnis ist ein Nutzen-Kosten-Indikator von 1,42. Das bedeute, dass das Projekt eine volkswirtschaftlich sinnvolle Maßnahme sei, hieß es dazu gestern von den MVB.
Die zweite Straßenbahnverbindung von Nord nach Süd den MVB soll täglich 4850 zusätzliche Fahrgäste bringen. Das sind hochgerechnet 1,3 Millionen Euro an Einnahmen mehr als ohne die neue Verbindung.
Eingespart werden 300 000 Euro an Instandhaltungs- sowie mindestens 1,1 Millionen Euro an Personal- und Betriebskosten. Nach Gesamtfertigstellung im Jahr 2019 können durch die höheren Einnahmen die Subventionen der Stadt verringert werden.
Die MVB rechnen vor: Für den Einsatz sind 25 Busse weniger nötig, obwohl die Angebote bleiben. Der Fahrplan kann optimiert werden, die Straßenbahn wird schneller.
Klaus Regener: „Hier handelt es sich um eine komplette Straßenbahnverbindung auf separatem Gleis.“ Viele Umstiege zwischen Bus und Bahn entfallen. Die City wird besser erschlossen. Die Trasse wird vom Neustädter Feld im Norden direkt bis Reform reichen.
Bei den genannten wirtschaftlichen Ergebnissen sollen laut MVB bereits die aktuell gestiegenen Personal- und Energiekosten eingerechnet worden sein. Allerdings bringt dieses Problem nach Expertenmeinung künftig noch viele Unbekannte mit sich.
Dennoch setzen die Verkehrsbetriebe und die Stadt auf die neue Verbindung. OB Trümper hatte kürzlich in Reform ihre Bedeutung unterstrichen. Das Gesamtprojekt kostet ca. 125 Millionen Euro. Allerdings bezahlt davon der Bund 60 Prozent, das Land 35. Die restlichen 5 Prozent tragen die MVB.
Hiesige Politiker fordern, auch bei derartigen Investitionen die regionale Wirtschaft stärker zu beteiligen.
Dazu die MVB: In die Planung sind diverse Büros aus Magdeburg und Umgebung eingebunden. Derzeit in der Leipziger Straße sei eine Arbeitsgemeinschaft mit ITB Schönebeck und Eurovia, NL Testrabau, am Bau beteiligt.
Alle Leistungen werden öffentlich ausgeschrieben. Die MVB müsse dabei jedoch das Angebot auswählen, das unter Berücksichtigung solcher Gesichtspunkte (u. a. Preis, Ausführungsfrist, Betriebs- und Folgekosten, Gestaltung, Rentabilität) als das wirtschaftlichste erscheint, heißt es weiter dazu. Von Karl-Heinz Kaiser
(Quelle: Volksstimme vom 01.10.2008)

Quer durch die Stadt – Wirbel um die Jahrhunderttrasse der „Elektrischen“15 Kilometer –
Ohne Umsteigen viel schneller am Ziel - Liegt für Reform Lösung - Zuletzt bis nach Buckau

Eine zweite Nord-Süd-Verbindung der Straßenbahn ist seit 15 Jahren im Gespräch. Nach heißer Diskussion um die Trassenführung in Reform Ende der 90er Jahre war relative Stille. Jetzt flackert wieder Ärger auf – erneut im Süden. Über Detaillösungen und über generelle Absichten zu einer Jahrhundert-Straßenbahn-Trasse sprach Volksstimme- Redakteur Karl-Heinz Kaiser mit MVB-Chef Klaus Regener.



Volksstimme:
Im Laufe der Jahre ist das gewaltige Projekt fast zum Schlagwort verkommen. Es wird immer wieder angeführt, aber so richtig tut sich wohl nichts – bis auf die Querelen zu den derzeitigen Planspielen über den Trassenverlauf in Reform.
Klaus Regener:
Der Eindruck – sollte er irgendwo bestehen – täuscht. Wir haben von 2000-2004 den Bauabschnitt 1 „Europaring“ bei einem Bauaufwand von 10,8 Millionen termingerecht fertiggestellt. Hinter den Kulissen spielt sich zudem eine Menge ab, angefangen von der Sicherung eines für die gesamte Planung notwendigen Trassenkorridors, über die Herstellung des Baurechts bis zu einer über die Jahre immer feinstufi ger vorangetriebenen Detailplanung. In manchen Details steckt dann wahrlich der Teufel.
Volksstimme:
Dazu später. Warum aber dauert das Projekt 2. Nord-Süd-Verbindung eigentlich so lange?
Klaus Regener:
Eine neue 15 Kilometer lange Straßenbahnverbindung in dieser Dimension quer durch die Stadt zu installieren, ist ein gewaltiges Unterfangen. Das gab es nach Beginn des Straßenbahnzeitalters im 20. Jahrhundert in Magdeburg nicht. Unter den heutigen Rahmenbedingungen ist das noch unvergleichbar schwieriger. Schon allein, weil die Trasse enorm viel kostet, ist eine Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan ebenso wichtig, wie zeitgleicher Förderwille von Bund und Land.
Volksstimme:
Irgendwer hat mal gesagt, die MVB wollen da gar nicht so richtig ran, weil es wirtschaftlich nicht so viel bringt. Auch deshalb das lange Atemholen seit 1992?
Klaus Regener:
Diese Auffassung ist nicht haltbar. Zumindest seit die so genannte standardisierte Bewertung und eine Betriebskostenfolgerechnung der Gesamtverbindung steht. Die hat bescheinigt, dass sie neben dem verkehrlichen Effekt auch betriebswirtschaftlich viel bringt.
Volksstimme:
Und was? Die Bevölkerungszahl ist zurückgegangen, Industriegebiete sind weg, die ursprünglich erschlossen werden sollten, zum Beispiel Buckau.
Klaus Regener:
Das alles ist bei der Wirtschaftlichkeitsbewertung selbstredend berücksichtigt. Diese zweite Straßenbahnverbindung von Nord nach Süd wird uns täglich 4800 zusätzliche Fahrgäste sowie 1,3 Millionen Euro an Einnahmen mehr bringen. Eingespart werden 300 000 Euro an Instandhaltungs- sowie 1,1 Millionen Euro an Personal- und Betriebskosten. Für den Einsatz sind 25 Busse weniger nötig, um nur einiges an Effizienzgewinn zu nennen.
Volksstimme:
Was springt für die Fahrgäste heraus? Für die machen Sie das ja.
Klaus Regener:
Natürlich haben wir – auf gleicher Höhe – genauso den Komfort der Fahrgäste im Blick. Hier handelt es sich um eine komplette Straßenbahnverbindung auf separatem Gleis. Viele Umstiege zwischen Bus und Bahn entfallen. Das ist wohl der allergrößte Vorteil, ebenfalls eine Reisezeitersparnis von 250 000 Stunden pro Jahr gemessen an der Gesamtstrecke. Und dann darf man nicht vergessen – nur mehr Effizienz und Wirtschaftlichkeit garantieren bezahlbare Tarife. Die City wird besser erschlossen. Die Trasse reicht vom Neustädter Feld im Norden direkt bis zu einer Wendeschleife hinter dem Bördepark in Reform.
Volksstimme:
Apropos Geld, das Sie schon mehrfach erwähnt haben. Wer die Musik bestellt, bezahlt, heißt es immer so schön. Das ist angesichts der fi - nanziellen Lage der Stadt wohl eher utopisch?
Klaus Regener:
Richtig. Und es war nie geplant, dass die Stadt die Kosten trägt. Das Gesamtprojekt kostet ca. 125 Millionen Euro. Davon bezahlt der Bund 60 Prozent, das Land 35. Die restlichen 5 Prozent tragen die MVB. Gemessen am großen Ausmaß ist das praktisch ein Geschenk für die Stadt
Von der Reihenfolge her hat übrigens Halle für eine ähnlich bedeutsame Trasse den zeitlichen Vorrang erhalten. Wir mussten hinsichtlich der fi nanziellen Förderung etwas länger warten. Das kommt hinzu, wenn man fragt, warum das alles nicht schneller geht.
Volksstimme:
Ironie des Schicksals – jetzt sollte es los – bzw. weitergehen, da kochen in Reform die Diskussionen hoch. Vielleicht auch ungeschickt, an so sensiblen Bereichen wie Freibädern und Baumstandorten zu kratzen.
Klaus Regener: Es wurden machbare und aus unserer Sicht akzeptable Pläne vorgelegt. Wenn es da unterschiedliche Meinungen gibt, müssen die ausdiskutiert werden. Das wurde doch in Reform nicht zum ersten Male praktiziert. Die ursprüngliche Linienführung war einst durch die Weinbrennerallee geplant. Die Bevölkerungsbefragung in den 90er Jahren hat schließlich die Variante auf dem Grünstreifen der Leipziger Chaussee bis einige hundert Meter vor der Tankstelle ergeben. Dort geht es rechts ab parallel zur Leipziger Chaussee.
Volksstimme: Was den konkreten Fall am Freibad Süd betrifft – sind Sie kompromissbereit?
Klaus Regener:
Natürlich. Das haben wir ja schon bewiesen. Wir hoffen, dass die andere Seite genauso über bestimmte Kompromisse nachdenkt. Ich denke, wir sind da gemeinsam bereits auf dem guten Weg.
Volksstimme: Und welche Lösung präsentieren Sie nun?
Klaus Regener: Es gibt zwei bevorzugte Varianten für den Kreuzungsbereich Kirschweg/ Leipziger Chaussee. Eine strebt eine Veränderung des Flächennutzungskonzeptes des Freibades an. Die Alternative wäre eine Optimierung der Haltestellenlagen im Bereich Kirschweg / Quittenweg.
Volksstimme: Dann könnte auf eine Reduzierung der Flächen vom Freibad verzichtet werden. Wofür entscheiden Sie sich?
Klaus Regener: Genau darüber wird noch diskutiert. In den nächsten Wochen wird erneut eine Abwägung erfolgen, welche Lösung entgültig bevorzugt und umgesetzt wird.
Volksstimme:
Wie geht es denn überhaupt mit der 2. Nord-Süd-Verbindung weiter?
Klaus Regener:
Wir wollten schon in diesem Jahr zwischen Fermersleber Weg und Brenneckestraße beginnen, was durch die Diskussion um Reform noch verschoben ist. Ansonsten reicht der Zeithorizont der Gesamttrasse bis 2019 (siehe Skizze/d. R.). Dann wird mit der Querverbindung nach Buckau der letzte Trassenabschnitt fertig sein. Zeitnäher sind die Abschnitte Endstelle Leipziger Chaussee bis Raiffeisenstraße bis ca. 2009. Ebenso wie der Europaring wird dabei ein Teil der Trasse völlig neu gebaut. Andere Abschnitte, so auf der Leipziger Straße, werden auf dem Bestandsgleis realisiert.
(Quelle: Volksstimme vom 07.11.2007)

Volksstimme-Meldung von 2003
(Leider kann ich mich nicht mehr dran erinnern, wann ich das genau veröffentlicht habe - Anmerkung von Holger Schleef)

Die 2. Nord-Süd-Verbindung wird eine schnelle direkte Straßenbahnverbindung zwischen dem Nordwesten und dem Südosten der Stadt herstellen und gleichzeitig zu einer erheblichen Entlastung der augenblicklich einzigen nördlichen Straßenbahnmagistrale führen.
Die bestehenden unattraktiven Anbindungen der Stadtteile Kannenstieg, Neustädter Feld und Reform durch den Bus, werden durch direkte Verbindungen zum Stadtzentrum und zu den Schnittstellen des regionalen Busverkehrs sowie des Schienennah- und -fernverkehrs der DB AG ersetzt. Mit dem verbesserten Zugang vieler Bewohner unserer Stadt zum Straßenbahnnetz der MVB GmbH erwarten wir auch einen nicht unerheblichen Fahrgastzuwachs. Das gesamte Vorhaben ist in seiner Realisierung für einen Zeitraum bis zum Jahre 2010 angelegt. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf insgesamt ca. 120 Mio. Euro. An den förderfähigen Aufwendungen nach dem Gemeinde-Verkehrs-Finanzierungsgesetz (GVFG) sind beteiligt, der Bund mit 60 % und das Land Sachsen-Anhalt mit 35 %.

Gebaut wird in 7 Bauabschnitten, die sich im Einzelnen wie folgt darstellen:

Bauabschnitt 1: Europaring
Bauabschnitt 2: die Wiener Straße
Bauabschnitt 2a: Ausbau der Leipziger Straße
Bauabschnitt 3: Leipziger Chaussee bis Bördepark / Reform
Bauabschnitt 4: Breiter Weg/Nordabschnitt bis Neustädter Feld
Bauabschnitt 4a: Haltestelle Nordfront
Bauabschnitt 5: Neustädter Feld bis Ebendorfer Chaussee
Bauabschnitt 6: Ebendorfer Chaussee bis Kannenstieg
Bauabschnitt 7: Raiffeisenstraße bis Buckau

Mit Ausnahme der Leipziger Straße (BA 2a) sind alles Neubaustrecken. Die gesamte Trasse hat eine Länge von etwa 13 km. Sie wird weitgehend auf besonderem Bahnkörper geführt. 34 neue, behindertengerechte Haltestellen werden gebaut. Somit ist auch ein durchgängiger Einsatz moderner Niederflurfahrzeuge sichergestellt.
Als Baubeginn für die 2. Nord-Süd-Verbindung wählten wir den Neubau der Haltestelle "Breiter Weg Nord" auf der Westseite des Breiten Weges - Nordabschnitt in Höhe des ehemaligen Hauses der Lehrer. Diese Haltestelle ist zwar Bestandteil des 4. Bauabschnittes, paßt sich aber aufgrund vorliegender Planungen und Genehmigungen nahtlos in die stadtplanerische Neugestaltung des Breiten Weges ein.
Die Planungen für den 1. Bauabschnitt laufen. Wir gehen zur Zeit davon aus, dass die Arbeiten für die zweigleisige Verbindung mit 3 Haltestellen zwischen der Straßenbahntrasse nach Olvenstedt und der Großen Diesdorfer Straße im 2. Halbjahr 2002 beginnen werden. Nach der voraussichtlichen Fertigstellung dieses Abschnittes Ende 2004 wird die Inbetriebnahme der Gleistrasse verbunden sein mit der Einführung der Linie 11. Sie führt von Olvenstedt über Europaring, Westring, Südring, Halberstädter Straße zur Endstelle Leipziger Chaussee. Der sicherlich spektakulärste und gleichzeitig schwierigste Bauabschnitt wird die Verbindung zwischen Breiter Weg und Neustädter Feld (4. BA) sein. Dieses Trassenstück wird durch ein Tunnelbauwerk geprägt werden und dabei die B1/Walther-Rathenau-Straße, die Bahnstrecke der DB AG und den Magdeburger Ring unterqueren.